Die Fra­ge, ob ein Christ auch ohne Zuge­hö­rig­keit zu einer bestimm­ten Kon­fes­si­on oder Deno­mi­na­ti­on sei­nen Glau­ben leben kann, bewegt heu­te vie­le Men­schen. In unse­rer Zeit erle­ben wir eine wach­sen­de Zahl von Men­schen, die sich als gläu­big bezeich­nen, aber kei­ner kirch­li­chen Orga­ni­sa­ti­on mehr ange­hö­ren wol­len. Sie nen­nen sich manch­mal kon­fes­si­ons­lo­se Chris­ten, freie Chris­ten oder ein­fach nur Nach­fol­ger von Jesus, ohne sich an eine bestimm­te theo­lo­gi­sche Tra­di­ti­on zu bin­den. Die­se Ent­wick­lung wirft wich­ti­ge Fra­gen auf, die wir im Licht der Hei­li­gen Schrift betrach­ten soll­ten, um zu ver­ste­hen, was Gott von uns erwar­tet und wie er sich Gemein­schaft unter sei­nen Kin­dern vor­stellt.

Wenn wir die Bibel auf­schla­gen und nach Ant­wor­ten suchen, fällt zunächst auf, dass das Neue Tes­ta­ment kei­ne Kon­fes­sio­nen im heu­ti­gen Sin­ne kennt. Die ers­ten Chris­ten gehör­ten kei­ner katho­li­schen, evan­ge­li­schen oder frei­kirch­li­chen Deno­mi­na­ti­on an, weil die­se Unter­schei­dun­gen damals noch gar nicht exis­tier­ten. Sie waren ein­fach Nach­fol­ger von Jesus Chris­tus, die sich in Haus­ge­mein­schaf­ten und spä­ter in grö­ße­ren Ver­samm­lun­gen tra­fen. Der Apos­tel Pau­lus schrieb an ver­schie­de­ne Gemein­den, die sich in unter­schied­li­chen Städ­ten ent­wi­ckelt hat­ten, aber er sprach sie alle als die eine Gemein­de Jesu Chris­ti an. In sei­nem Brief an die Ephe­ser beschreibt er die Kir­che als den einen Leib Chris­ti, in dem jeder Gläu­bi­ge ein wich­ti­ges Glied ist. Er schreibt: “Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch beru­fen seid zu einer Hoff­nung eurer Beru­fung, ein Herr, ein Glau­be, eine Tau­fe, ein Gott und Vater aller” (Ephe­ser 4,4–6). Die­se Wor­te machen deut­lich, dass Gott sei­ne Kin­der als eine Ein­heit sieht, nicht als getrenn­te Grup­pen, die sich von­ein­an­der abgren­zen.

Gleich­zei­tig betont die Bibel aber auch sehr stark die Bedeu­tung von Gemein­schaft unter Gläu­bi­gen. Im Hebrä­er­brief wer­den wir ermahnt: “Lasst uns auf­ein­an­der acht­ha­ben und ein­an­der anspor­nen zur Lie­be und zu guten Wer­ken und nicht ver­las­sen unse­re Ver­samm­lun­gen, wie eini­ge zu tun pfle­gen, son­dern ein­an­der ermah­nen” (Hebrä­er 10,24 und 25). Die­se Ver­se zei­gen uns, dass es Got­tes Wil­le ist, dass wir uns nicht iso­lie­ren, son­dern dass wir Teil einer leben­di­gen Gemein­schaft von Gläu­bi­gen sind. Die frü­hen Chris­ten tra­fen sich regel­mä­ßig, um gemein­sam zu beten, das Abend­mahl zu fei­ern, Got­tes Wort zu hören und ein­an­der zu die­nen. Sie leb­ten nicht als ein­zel­ne, von­ein­an­der unab­hän­gi­ge Gläu­bi­ge, son­dern als eine ver­bun­de­ne Fami­lie, die sich gegen­sei­tig stärk­te und unter­stütz­te.

Nun könn­te man argu­men­tie­ren, dass Gemein­schaft nicht unbe­dingt eine for­ma­le Mit­glied­schaft in einer Kon­fes­si­on erfor­dert. Das ist in gewis­ser Wei­se rich­tig, denn die Zuge­hö­rig­keit zu einer bestimm­ten Deno­mi­na­ti­on macht uns nicht auto­ma­tisch zu ech­ten Chris­ten. Jesus selbst hat nie ver­langt, dass wir uns einer bestimm­ten reli­giö­sen Orga­ni­sa­ti­on anschlie­ßen müs­sen. Was er ver­langt hat, ist eine per­sön­li­che Bezie­hung zu ihm und ein Leben in Gemein­schaft mit ande­ren Gläu­bi­gen. In der Apos­tel­ge­schich­te lesen wir, wie die ers­ten Chris­ten ihr Leben gestal­te­ten: “Sie blie­ben aber bestän­dig in der Leh­re der Apos­tel und in der Gemein­schaft und im Brot­bre­chen und im Gebet” (Apos­tel­ge­schich­te 2,42). Die­se vier Ele­men­te, näm­lich das Ler­nen von Got­tes Wort, die Gemein­schaft, das gemein­sa­me Abend­mahl und das Gebet, bil­de­ten das Fun­da­ment ihres Glau­bens­le­bens.

Die Fra­ge ist also nicht so sehr, ob wir einer Kon­fes­si­on ange­hö­ren müs­sen, son­dern ob wir bereit sind, uns in eine ver­bind­li­che Gemein­schaft mit ande­ren Chris­ten ein­zu­brin­gen. Hier liegt oft das eigent­li­che Pro­blem bei kon­fes­si­ons­lo­sen Chris­ten. Vie­le von ihnen haben nega­ti­ve Erfah­run­gen mit Kir­chen gemacht, sind ent­täuscht wor­den, haben Heu­che­lei oder Lieb­lo­sig­keit erlebt oder füh­len sich von den star­ren Struk­tu­ren und Tra­di­tio­nen ein­ge­engt. Die­se Gefüh­le sind ver­ständ­lich und soll­ten ernst genom­men wer­den, denn die Kir­che als mensch­li­che Orga­ni­sa­ti­on ist feh­ler­haft und macht Feh­ler. Doch die Lösung kann nicht sein, sich ganz von der Gemein­schaft der Gläu­bi­gen zurück­zu­zie­hen. Jesus hat sei­ne Gemein­de nicht auf­ge­ge­ben, obwohl er genau wuss­te, dass sie vol­ler unvoll­kom­me­ner Men­schen sein wür­de. Statt­des­sen hat er sich für sie hin­ge­ge­ben und sie zu sei­nem Leib gemacht.

Der bekann­te Theo­lo­ge und Mär­ty­rer Diet­rich Bon­hoef­fer hat in sei­nem Buch über christ­li­che Gemein­schaft geschrie­ben: “Wer christ­li­che Gemein­schaft liebt, der liebt mehr die Gemein­schaft als den Herrn, wer christ­li­che Gemein­schaft nicht liebt, der liebt mehr den Traum von Gemein­schaft als die christ­li­che Gemein­schaft.” Die­se Wor­te tref­fen einen wich­ti­gen Punkt. Oft suchen Men­schen nach einer per­fek­ten Gemein­de oder einer idea­len Form von Gemein­schaft, und wenn sie die­se nicht fin­den, zie­hen sie sich zurück. Doch ech­te christ­li­che Gemein­schaft bedeu­tet nicht, dass alles per­fekt ist, son­dern dass wir bereit sind, mit unse­ren unvoll­kom­me­nen Geschwis­tern gemein­sam zu wach­sen und uns gegen­sei­tig zu tra­gen.

Die­ses Pro­blem begeg­net uns heu­te beson­ders in den sozia­len Medi­en. Dort rufen man­che Chris­ten offen dazu auf, ihre Kon­fes­si­on zu ver­las­sen, Gemein­den auf­zu­ge­ben oder sich völ­lig von jeder orga­ni­sier­ten Gemein­schaft zu lösen; mit dem Argu­ment, es genü­ge allein „die Bibel und Jesus“. Was fromm klingt, ist in Wahr­heit oft Aus­druck von Ent­täu­schung, Ver­let­zung oder Indi­vi­dua­lis­mus. Doch christ­li­che Gemein­schaft ist kein optio­na­les Extra, son­dern ein bibli­scher Auf­trag. Nie­mand kann sich selbst Gemein­de sein. Wer meint, ohne Geschwis­ter aus­zu­kom­men, ver­kennt, dass Gott uns gera­de durch unvoll­kom­me­ne Men­schen formt, kor­ri­giert und stärkt. Die Bibel und Jesus genü­gen; aber Jesus führt uns immer in Gemein­schaft, nie aus ihr her­aus.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Aspekt ist die Fra­ge der geist­li­chen Lei­tung und Ver­ant­wort­lich­keit. Die Bibel spricht davon, dass Gott sei­ner Gemein­de Hir­ten gege­ben hat, also Lei­ter, die sich um das geist­li­che Wohl der Gläu­bi­gen küm­mern sol­len. Der Apos­tel Petrus schreibt an die Ältes­ten der Gemein­den: “Wei­det die Her­de Got­tes, die euch anbe­foh­len ist, ach­tet auf sie, nicht gezwun­gen, son­dern frei­wil­lig, wie es Gott gefällt, nicht um schänd­li­chen Gewinns wil­len, son­dern von Her­zens­grund, nicht als Her­ren über die Gemein­de, son­dern als Vor­bil­der der Her­de” (1. Petrus 5,2 und 3). Die­se Ver­se zei­gen uns, dass geist­li­che Lei­tung ein wich­ti­ger Teil von Got­tes Plan für sei­ne Gemein­de ist. Wenn wir uns völ­lig von jeder Form von Gemein­schaft und Lei­tung lösen, berau­ben wir uns selbst die­ser wich­ti­gen Quel­le von Anlei­tung, Kor­rek­tur und Schutz.

Es ist auch wich­tig zu beden­ken, dass wir als Chris­ten nicht nur für uns selbst ver­ant­wort­lich sind, son­dern auch eine Ver­ant­wor­tung für­ein­an­der tra­gen. Pau­lus schreibt: “Einer tra­ge des ande­ren Last, so wer­det ihr das Gesetz Chris­ti erfül­len” (Gala­ter 6,2). Die­se gegen­sei­ti­ge Ver­ant­wor­tung kann nur in einer ver­bind­li­chen Gemein­schaft wirk­lich gelebt wer­den. Wenn wir als kon­fes­si­ons­lo­se Chris­ten leben und uns kei­ner Gemein­schaft ver­pflich­ten, wird es schwie­rig, die­se bibli­sche Anwei­sung umzu­set­zen. Wir brau­chen Men­schen, die uns ken­nen, die unse­re Kämp­fe ver­ste­hen, die uns ermu­ti­gen, wenn wir schwach sind, und die uns lie­be­voll kor­ri­gie­ren, wenn wir vom Weg abkom­men.

Nun bedeu­tet all das nicht, dass jede Kon­fes­si­on oder jede Gemein­de auto­ma­tisch rich­tig ist oder dass wir blind allem fol­gen müs­sen, was eine bestimm­te Kir­che lehrt. Die Refor­ma­ti­on hat uns gelehrt, dass wir das Recht und die Pflicht haben, alles anhand der Hei­li­gen Schrift zu prü­fen. Mar­tin Luther sag­te vor dem Reichs­tag in Worms: “Hier ste­he ich, ich kann nicht anders.” Er war bereit, gegen die eta­blier­te Kir­che sei­ner Zeit zu ste­hen, weil er erkannt hat­te, dass vie­le ihrer Leh­ren nicht mit der Bibel über­ein­stimm­ten. Doch Luther zog sich nicht in eine iso­lier­te Exis­tenz zurück, son­dern er grün­de­te neue Gemein­schaf­ten, in denen Got­tes Wort im Zen­trum stand. So ent­stand die Evan­ge­li­sche Kir­che. Er ver­stand, dass Reform nicht Iso­la­ti­on bedeu­tet, son­dern Erneue­rung inner­halb der Gemein­schaft.

Für Men­schen, die mit den tra­di­tio­nel­len Kon­fes­sio­nen Schwie­rig­kei­ten haben, gibt es heu­te vie­le Mög­lich­kei­ten, eine Gemein­schaft zu fin­den, die ihrer theo­lo­gi­schen Über­zeu­gung und ihrem geist­li­chen Bedürf­nis ent­spricht. Es gibt Haus­kir­chen, freie Gemein­den, über­kon­fes­sio­nel­le Grup­pen und vie­le ande­re For­men von christ­li­cher Gemein­schaft, die weni­ger for­mell und insti­tu­tio­nell geprägt sind als die gro­ßen Kir­chen. Das Ent­schei­den­de ist nicht die Form oder die Grö­ße der Gemein­schaft, son­dern dass sie auf dem Wort Got­tes gegrün­det ist, dass dort ech­te Lie­be und Ver­bind­lich­keit gelebt wird und dass die Gläu­bi­gen gemein­sam Jesus nach­fol­gen wol­len.

Das bedeu­tet aber nicht, dass es in den insti­tu­tio­nel­len Kir­chen kei­ne wah­ren Chris­ten gibt, im Gegen­teil. Gera­de dort, wo Struk­tu­ren alt gewor­den sind und vie­les mensch­lich wirkt, fin­det man oft Men­schen, die Jesus auf­rich­tig lie­ben, treu die­nen und im Ver­bor­ge­nen ein tie­fes geist­li­ches Leben füh­ren. Got­tes Wir­ken ist nicht an For­men gebun­den. Er hat sich nie nur in frei­en Grup­pen oder neu­en Bewe­gun­gen gezeigt, son­dern immer auch mit­ten in den tra­di­tio­nel­len Kir­chen Men­schen bewahrt, die ihm von Her­zen nach­fol­gen. Es wäre ein gro­ßer Feh­ler, die Insti­tu­ti­on als Gan­zes abzu­schrei­ben und dabei zu über­se­hen, dass Gott auch dort sei­ne Kin­der hat, sei­ne Zeu­gen, sei­ne treu­en Beter. Die Form mag unvoll­kom­men sein; aber Chris­tus hat über­all sei­ne Gemein­de.

Die Bibel gibt uns auch ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um, um ech­te christ­li­che Gemein­schaft zu erken­nen. Jesus sag­te: “Dar­an wird jeder­mann erken­nen, dass ihr mei­ne Jün­ger seid, wenn ihr Lie­be unter­ein­an­der habt” (Johan­nes 13,35). Eine gesun­de Gemein­de zeich­net sich nicht durch per­fek­te Orga­ni­sa­ti­on oder beein­dru­cken­de Pro­gram­me aus, son­dern durch die Lie­be, die ihre Mit­glie­der für­ein­an­der haben. Wenn wir eine Gemein­schaft suchen, soll­ten wir dar­auf ach­ten, ob dort wirk­lich Lie­be, Annah­me und gegen­sei­ti­ge Unter­stüt­zung zu fin­den sind, oder ob es nur um äuße­re For­men und Tra­di­tio­nen geht.

Im Übri­gen müs­sen sich auch kon­fes­si­ons­lo­se Chris­ten fra­gen, ob sie die­ser Lie­be gegen­über kon­fes­si­ons­ge­bun­de­nen Chris­ten gerecht wer­den. Wer gegen die Kir­che oder gegen jene urteilt, die in einer Kir­che behei­ma­tet sind, han­delt nicht im Geist der Wor­te Jesu. Lie­be macht nicht hoch­mü­tig, sie grenzt nicht aus und erhebt sich nicht über ande­re For­men der Nach­fol­ge. Auch wer sich bewusst außer­halb tra­di­tio­nel­ler Struk­tu­ren bewegt, ist nicht von der Pflicht ent­bun­den, Geschwis­ter in ande­ren Tra­di­tio­nen zu ach­ten, zu ehren und ihnen in Lie­be zu begeg­nen. Jesus hat nie dazu auf­ge­ru­fen, sei­ne Jün­ger nach ihrer Zuge­hö­rig­keit zu einer bestimm­ten Form von Gemein­de zu beur­tei­len; son­dern allein nach der Lie­be, die sie ein­an­der erwei­sen.

Es ist auch wich­tig zu ver­ste­hen, dass die Gemein­de Jesu Chris­ti grö­ßer ist als jede ein­zel­ne Kon­fes­si­on oder Deno­mi­na­ti­on. Wir soll­ten nicht den Feh­ler machen, unse­re eige­ne Tra­di­ti­on oder Gemein­schaft mit der gan­zen Kir­che gleich­zu­set­zen. Der berühm­te Evan­ge­list John Wes­ley, der Grün­der der metho­dis­ti­schen Bewe­gung, hat­te eine wei­te und groß­zü­gi­ge Sicht auf die Gemein­de Jesu. Er sag­te ein­mal: “Wenn dein Herz so ist wie mein Herz, dann gib mir dei­ne Hand.” Er erkann­te an, dass ech­te Chris­ten in vie­len ver­schie­de­nen Gemein­schaf­ten zu fin­den sind, und er war bereit, mit allen zusam­men­zu­ar­bei­ten, die Jesus Chris­tus als ihren Herrn bekann­ten.

Kon­fes­si­ons­lo­se Chris­ten sind dadurch aber kei­nes­wegs „bes­se­re“ Chris­ten. Auch sie ste­hen in der Gefahr, ihre eige­ne Form des Glau­bens zu idea­li­sie­ren und sich über ande­re zu erhe­ben. Geist­li­che Rei­fe zeigt sich nicht dar­in, ob jemand einer Kon­fes­si­on ange­hört oder nicht, son­dern dar­in, ob Chris­tus im Her­zen regiert. Gott sieht nicht auf Eti­ket­ten, Struk­tu­ren oder Zuge­hö­rig­kei­ten, son­dern auf den Glau­ben, die Lie­be und die Treue eines Men­schen. Dar­um soll­ten wir uns davor hüten, irgend­ei­ne Grup­pe, ob kon­fes­sio­nell oder kon­fes­si­ons­los, zu erhö­hen oder abzu­wer­ten. Die wah­re Gemein­de Jesu besteht aus allen, die ihm von Her­zen nach­fol­gen, unab­hän­gig davon, in wel­cher äuße­ren Form sie ihren Glau­ben leben.

Gleich­zei­tig müs­sen wir aber auch ehr­lich sein und aner­ken­nen, dass es Men­schen gibt, die sich als kon­fes­si­ons­lo­se Chris­ten bezeich­nen, weil sie kei­ne Ver­bind­lich­keit ein­ge­hen wol­len. Sie möch­ten die Frei­heit haben, zu kom­men und zu gehen, wie es ihnen passt, ohne sich jeman­dem gegen­über ver­ant­wort­lich zu füh­len. Sie wol­len nicht kor­ri­giert wer­den, sie wol­len nicht die­nen und sie wol­len nicht ihre Zeit und ihre Res­sour­cen in eine Gemein­schaft inves­tie­ren. Für sol­che Men­schen ist das kon­fes­si­ons­lo­se Christ­sein oft nur eine beque­me Aus­re­de, um ein selbst­be­stimm­tes reli­giö­ses Leben zu füh­ren, ohne sich wirk­lich auf die Gemein­schaft der Gläu­bi­gen ein­zu­las­sen. Das ist nicht das, was die Bibel unter Nach­fol­ge ver­steht.

Jesus ruft uns in eine Gemein­schaft, die manch­mal unbe­quem ist, die uns her­aus­for­dert und die uns dazu bringt, über unse­ren eige­nen Schat­ten zu sprin­gen. Er ruft uns dazu auf, ein­an­der zu lie­ben, auch wenn es schwer­fällt, ein­an­der zu ver­ge­ben, auch wenn wir ver­letzt wur­den, und ein­an­der zu die­nen, auch wenn wir selbst Bedürf­nis­se haben. Die­se Art von Gemein­schaft kann nur ent­ste­hen, wenn wir bereit sind, uns wirk­lich ein­zu­brin­gen und nicht nur am Rand zu ste­hen.

Zusam­men­fas­send kön­nen wir sagen, dass die Bibel uns kei­ne bestimm­te Kon­fes­si­on vor­schreibt, aber sie ruft uns sehr klar in eine ver­bind­li­che Gemein­schaft mit ande­ren Gläu­bi­gen. Der Glau­be an Jesus Chris­tus ist nicht nur eine pri­va­te Ange­le­gen­heit zwi­schen uns und Gott, son­dern er hat immer auch eine gemein­schaft­li­che Dimen­si­on. Wir sind beru­fen, Teil des Lei­bes Chris­ti zu sein, und das bedeu­tet, dass wir uns mit ande­ren Glie­dern die­ses Lei­bes ver­bin­den müs­sen. Ob die­se Gemein­schaft nun eine tra­di­tio­nel­le Kir­che ist, eine Frei­kir­che, eine Haus­ge­mein­schaft oder eine ande­re Form von christ­li­cher Zusam­men­kunft, ist letzt­lich zweit­ran­gig. Ent­schei­dend ist, dass wir uns nicht iso­lie­ren, son­dern dass wir uns in eine Gemein­schaft ein­brin­gen, in der Got­tes Wort gelehrt wird, in der ech­te Lie­be gelebt wird und in der wir gemein­sam wach­sen kön­nen.

Wenn du zu den Men­schen gehörst, die mit den tra­di­tio­nel­len Kir­chen Schwie­rig­kei­ten haben, dann ist das ver­ständ­lich, aber es soll­te dich nicht davon abhal­ten, nach einer Gemein­schaft zu suchen, in der du dich zu Hau­se füh­len kannst. Bete dar­um, dass Gott dir den rich­ti­gen Ort zeigt, wo du dei­ne Gaben ein­brin­gen und gleich­zei­tig geist­li­che Nah­rung emp­fan­gen kannst. Sei bereit, auch dort Geduld zu haben, wo Men­schen unvoll­kom­men sind, denn wir alle sind es. Und den­ke dar­an, dass die per­fek­te Gemein­de nicht exis­tiert, aber dass Gott uns trotz­dem auf­for­dert, gemein­sam als sein Volk zu leben und ihn zu ehren.

Bern­hard Beck, der Luthe­ra­ner