Epheser 1,7–10
Die Verse aus Epheser 1,7–10 führen uns weiter in die Tiefen der göttlichen Gnade und offenbaren uns, was Gott durch Jesus Christus für uns getan hat und welchen großartigen Plan er für die gesamte Schöpfung hat. Paulus schreibt: “In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit. Denn Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, um ihn auszuführen, wenn die Zeit erfüllt wäre, dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist.”
Diese Worte sind von solcher Dichte und Tiefe, dass wir sie langsam und sorgfältig betrachten müssen, um ihre volle Bedeutung zu erfassen. Wenn Paulus sagt, dass wir in Christus die Erlösung haben, dann spricht er von einer vollendeten Tatsache, nicht von einer Hoffnung, die sich vielleicht irgendwann erfüllen könnte. Das griechische Wort für Erlösung trägt die Bedeutung von Loskauf oder Befreiung und wurde ursprünglich für die Freilassung von Sklaven verwendet. Wir waren Sklaven der Sünde, gebunden an ihre zerstörerische Macht und unfähig, uns selbst zu befreien, doch Christus hat uns losgekauft und in die Freiheit geführt.
Der Preis dieser Erlösung war sein Blut, das heißt sein Leben, das er am Kreuz von Golgatha für uns hingegeben hat. Diese Wahrheit ist zentral für den christlichen Glauben und darf niemals abgeschwächt oder in ihrer Bedeutung geschmälert werden. Ohne Blutvergießen gibt es nach biblischem Zeugnis keine Vergebung der Sünden, wie es in Hebräer 9,22 heißt: “Und es wird fast alles mit Blut gereinigt nach dem Gesetz, und ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung.” Manche Menschen empfinden diese Lehre als anstößig oder primitiv, doch sie zeigt uns die ernste Realität der Sünde und die Kostbarkeit der Erlösung. Sünde ist nicht einfach ein kleiner Fehler oder eine Schwäche, die übersehen werden könnte, sondern sie ist eine Rebellion gegen den heiligen Gott, die den Tod verdient. Gott konnte die Sünde nicht einfach ignorieren oder wegwischen, ohne seine eigene Gerechtigkeit zu verletzen. Stattdessen hat er in seiner unermesslichen Liebe einen Weg gefunden, sowohl gerecht zu sein als auch den Sünder zu rechtfertigen, indem er seinen eigenen Sohn sandte, der die Strafe an unserer Stelle trug.
Und doch gibt es heute Geistliche, die das Blutvergießen am Kreuz schmälern oder sogar leugnen. Manche sprechen nur noch von Jesu Vorbild, seiner Liebe, seiner Menschlichkeit; aber nicht mehr von seinem stellvertretenden Opfer. Andere reduzieren das Kreuz auf ein Symbol für Solidarität oder Gewaltlosigkeit, als wäre Golgatha nur eine moralische Botschaft und nicht der Ort, an dem die Schuld der Welt getragen wurde. Wenn das Blut Christi aus der Verkündigung verschwindet, verliert das Evangelium seine Mitte. Denn ohne das Kreuz bleibt nur ein moralischer Appell übrig, aber keine Rettung. Eine Kirche, die das Opfer Jesu relativiert, mag modern wirken, doch sie nimmt den Menschen das Einzige, was wirklich Hoffnung schenkt: die Gewissheit, dass unsere Sünde bezahlt ist, ein für alle Mal.


Die Erlösung, von der Paulus spricht, zeigt sich konkret in der Vergebung der Sünden. Diese Vergebung ist nicht teilweise oder vorläufig, sondern vollständig und endgültig. Wenn Gott uns vergibt, dann tilgt er unsere Schuld vollständig aus und gedenkt unserer Sünden nicht mehr. Der Prophet Jesaja verkündete in Kapitel 43,25: “Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.” Diese Vergebung ist ein Geschenk, das wir nicht verdienen und niemals verdienen könnten, aber sie wird uns frei angeboten aufgrund des Opfers Christi. Viele Menschen, auch viele Christen, kämpfen mit Schuldgefühlen und können sich selbst nicht vergeben, obwohl Gott ihnen längst vergeben hat. Sie schleppen die Last ihrer Vergangenheit mit sich herum und leben in ständiger Selbstanklage. Doch die Bibel lehrt uns, dass wenn Gott vergibt, die Sünde wirklich weg ist. Paulus schreibt in Römer 8,1: “So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.” Wenn wir diese Wahrheit wirklich erfassen, kann sie uns von der lähmenden Last der Schuld befreien und uns erlauben, in der Freiheit zu leben, für die Christus uns befreit hat.
Diese Vergebung geschieht nach dem Reichtum der Gnade Gottes. Paulus hätte sagen können, dass sie aus seiner Gnade geschieht, aber er geht weiter und spricht von dem Reichtum dieser Gnade. Gott ist nicht geizig oder kleinlich in seiner Vergebung, sondern er vergibt aus der Fülle seiner unerschöpflichen Gnade. Egal wie schwer unsere Sünden sein mögen, egal wie oft wir versagt haben, die Gnade Gottes ist immer größer. Der Apostel Johannes schreibt in 1. Johannes 1,9: “Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.” Die Betonung liegt auf aller Ungerechtigkeit. Es gibt keine Sünde, die zu groß wäre für Gottes vergebende Gnade, keine Vergangenheit, die so dunkel wäre, dass Gottes Licht sie nicht erhellen könnte. Der bekannte englische Prediger Charles Haddon Spurgeon sagte einmal: “Die Gnade Gottes ist wie ein Ozean ohne Ufer und ohne Grund. Du magst tief in die Sünde hinabgestiegen sein, aber die Gnade Gottes reicht noch tiefer.”
Gott hat uns diese Gnade reichlich widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit. Hier zeigt uns Paulus, dass Gottes Gnade nicht blind oder unüberlegt ist, sondern dass sie mit vollkommener Weisheit und Einsicht verbunden ist. Gott weiß genau, was er tut, wenn er uns vergibt und erlöst. Er kennt unsere Schwächen, unsere Neigungen, unsere Zukunft, und dennoch hat er sich entschieden, uns seine Gnade zu schenken. Diese Weisheit Gottes zeigt sich auch darin, wie er seinen Erlösungsplan durch die gesamte Geschichte hindurch vorbereitet und schließlich in Christus erfüllt hat. Was für die Menschen oft wie Zufälle oder unzusammenhängende Ereignisse aussieht, ist in Wirklichkeit Teil eines sorgfältig ausgearbeiteten göttlichen Plans. Die Weisheit Gottes übersteigt unser menschliches Verstehen bei weitem, wie Paulus in Römer 11,33 ausruft: “O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!”
Nun offenbart Paulus uns etwas, das er als Geheimnis des Willens Gottes bezeichnet. Ein Geheimnis im biblischen Sinne ist nicht etwas, das für immer verborgen bleiben soll, sondern etwas, das zuvor verborgen war und nun offenbart wurde. Gott hat uns wissen lassen, was sein Plan ist, er hat es uns nicht vorenthalten, sondern in seiner Gnade geoffenbart. Dieser Plan wurde in Christus gefasst, was bedeutet, dass Jesus das Zentrum und das Herzstück des göttlichen Heilsplans ist. Alles dreht sich um ihn, alles läuft auf ihn zu, alles findet in ihm seine Erfüllung. Die Bibel ist nicht eine Sammlung zusammenhangloser religiöser Geschichten, sondern sie erzählt eine große Geschichte, die auf Christus hinweist. Im Alten Testament finden wir Prophezeiungen, Vorbilder und Hinweise auf den kommenden Erlöser. In den Evangelien sehen wir sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung. In den Briefen verstehen wir die Bedeutung seines Werkes. Und in der Offenbarung sehen wir seine zukünftige Herrschaft und die Vollendung aller Dinge.


Dieser Ratschluss sollte ausgeführt werden, wenn die Zeit erfüllt wäre. Gott arbeitet nach einem göttlichen Zeitplan, und alles geschieht genau zum richtigen Zeitpunkt. Paulus schreibt in Galater 4,4–5: “Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.” Jesus kam nicht zu früh und nicht zu spät, sondern genau zur richtigen Zeit. Und auch die Vollendung von Gottes Plan wird zur richtigen Zeit geschehen. Wir leben in einer Zeit des Wartens, in der schon vieles erfüllt ist, aber noch nicht alles. Das Reich Gottes ist bereits angebrochen, aber es ist noch nicht in seiner ganzen Fülle sichtbar. Wir leben zwischen der ersten und der zweiten Ankunft Christi, zwischen dem schon und dem noch nicht. Diese Spannung kann manchmal schwer auszuhalten sein, besonders wenn wir Leid erleben oder die Ungerechtigkeit in der Welt sehen, doch wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott seinen Plan vollenden wird.
Das ultimative Ziel dieses Plans ist, dass alles zusammengefasst wird in Christus, was im Himmel und auf Erden ist. Diese Vision ist von atemberaubender Größe. Paulus spricht nicht nur von der Erlösung einiger Menschen, sondern von der Wiederherstellung und Zusammenfassung der gesamten Schöpfung unter der Herrschaft Christi. Die Sünde hat nicht nur die Menschheit beschädigt, sondern die ganze Schöpfung. Paulus beschreibt dies in Römer 8,19–22: “Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet.” Die ganze Schöpfung wartet auf ihre Erlösung, und diese Erlösung wird kommen, wenn Christus wiederkommt und alle Dinge unter seine Herrschaft bringt.
Diese Zusammenfassung aller Dinge in Christus bedeutet, dass er der Mittelpunkt und das verbindende Element des ganzen Universums sein wird. Alle Disharmonie, alle Rebellion, alle Zerrissenheit, die durch die Sünde in die Welt gekommen ist, wird beseitigt werden. Himmel und Erde, die durch den Fall getrennt wurden, werden wieder vereint sein. Die Kluft zwischen Gott und Mensch, die durch die Sünde entstand, wird vollständig überbrückt sein. Christus wird als der unbestrittene Herr über alles regieren, und alle Geschöpfe werden ihn anbeten. Paulus beschreibt diese Zukunft in Philipper 2,9–11: “Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.”
Für uns als Gläubige hat diese Vision praktische Bedeutung. Zunächst sollte sie uns mit Hoffnung erfüllen. Egal wie dunkel die Zeiten sind, egal wie hoffnungslos die Situation aussieht, wir wissen, dass Gott einen Plan hat und dass dieser Plan sich erfüllen wird. Die Geschichte bewegt sich nicht ziellos vorwärts oder im Kreis, sondern sie hat ein Ziel, eine Bestimmung, ein Ende, das Gott bereits festgelegt hat. Diese Gewissheit kann uns Kraft geben, in schwierigen Zeiten durchzuhalten und nicht aufzugeben. Zweitens sollte diese Vision unsere Perspektive auf die Gegenwart verändern. Wenn wir wissen, dass Christus am Ende über alles herrschen wird, dann sollten wir schon jetzt beginnen, unter seiner Herrschaft zu leben. Unser Leben sollte ein Vorgeschmack auf das kommende Reich sein, ein Zeichen dafür, wie es sein wird, wenn Christus regiert. Der Theologe und Märtyrer Dietrich Bonhoeffer schrieb: “Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.” Diese Worte erinnern uns daran, dass wir nicht nur auf unsere eigene Erlösung fokussiert sein sollten, sondern dass wir berufen sind, Werkzeuge in Gottes Hand zu sein, um seine Erlösung in die Welt zu bringen.
Drittens sollte diese Lehre von der Erlösung durch das Blut Christi uns zu einem Leben in Dankbarkeit führen. Wenn wir wirklich verstehen, was es Gott gekostet hat, uns zu erlösen, können wir nicht anders als in Anbetung und Dankbarkeit zu leben. Unsere Erlösung war nicht billig oder einfach, sie wurde mit dem kostbarsten Preis erkauft, den es gibt: dem Leben des Sohnes Gottes. Der Apostel Petrus schreibt in 1. Petrus 1,18–19: “Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes.” Diese Erkenntnis sollte uns motivieren, nicht mehr für uns selbst zu leben, sondern für den, der für uns gestorben und auferstanden ist.


Viertens sollten wir die Vergebung, die wir empfangen haben, an andere weitergeben. Jesus lehrte seine Jünger zu beten: “Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern” (Matthäus 6,12). Die Vergebung, die wir von Gott empfangen haben, verpflichtet uns nicht im rechtlichen Sinne, aber sie motiviert uns und befähigt uns, auch anderen zu vergeben. Wenn wir verstehen, wie viel uns vergeben wurde, wird es uns leichter fallen, auch denen zu vergeben, die uns Unrecht getan haben. Mangelnde Vergebungsbereitschaft ist oft ein Zeichen dafür, dass wir die Tiefe unserer eigenen Erlösungsbedürftigkeit und die Größe der Gnade, die uns geschenkt wurde, noch nicht wirklich erfasst haben.
Das sehen wir heute bei vielen Christen: eine erschreckende mangelnde Bereitschaft zur Vergebung und zur Versöhnung. Man hält fest, was man längst hätte loslassen können. Man trägt alte Verletzungen wie Auszeichnungen mit sich herum. Man rechtfertigt Bitterkeit, als wäre sie ein Zeichen geistlicher Stärke. Doch all das zeigt, dass viele das Geschenk der Gnade noch nicht wirklich begriffen haben. Wer nicht erkennt, wie unendlich viel ihm selbst vergeben wurde, dem fällt es schwer, anderen zu vergeben. Unversöhnlichkeit ist oft ein Hinweis darauf, dass das Evangelium zwar gehört, aber noch nicht tief ins Herz gesunken ist. Erst wenn wir die Größe der eigenen Vergebung erfassen, wird unser Herz weich; und wir beginnen, anderen das weiterzugeben, was wir selbst empfangen haben.
Fünftens sollte uns die Weisheit und Klugheit, mit der Gott seine Gnade walten lässt, Vertrauen geben, auch wenn wir seine Wege nicht immer verstehen. Es gibt Zeiten in unserem Leben, in denen Gottes Handeln uns rätselhaft erscheint, in denen wir nicht begreifen, warum er bestimmte Dinge zulässt oder warum er nicht auf die Weise eingreift, wie wir es erwarten würden. In solchen Momenten dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott in seiner unendlichen Weisheit weiß, was er tut, auch wenn wir es nicht sehen können. Der Prophet Jesaja verkündete in Kapitel 55,8–9: “Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.”
Sechstens sollte die Offenbarung des Geheimnisses von Gottes Willen uns zu einem Leben in der Wahrheit führen. Gott hat uns nicht im Unklaren gelassen über seinen Plan, sondern er hat ihn uns offenbart. Wir haben in der Bibel eine verlässliche Quelle der Wahrheit, die uns Gottes Gedanken und Absichten mitteilt. In einer Zeit, in der Wahrheit oft als relativ betrachtet wird und jeder seine eigene Wahrheit zu haben scheint, ist es wichtig, dass wir fest auf dem Fundament der göttlichen Offenbarung stehen. Jesus sagte in Johannes 8,31–32: “Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.”
Siebtens sollte die kosmische Vision der Zusammenfassung aller Dinge in Christus unseren Blick weiten und uns aus unserer Selbstbezogenheit herausführen. Es geht nicht nur um meine persönliche Erlösung oder mein persönliches Wohlergehen, sondern um Gottes großen Plan für die gesamte Schöpfung. Diese Perspektive sollte uns demütig machen, weil wir erkennen, dass wir nur ein kleiner Teil eines viel größeren Ganzen sind. Gleichzeitig sollte sie uns auch ermutigen, weil wir wissen, dass wir zu diesem großartigen Plan gehören und eine Rolle darin spielen dürfen. Jeder Gläubige, egal wie unbedeutend er sich vorkommen mag, ist ein wichtiger Teil von Gottes Werk in dieser Welt.
Die Erlösung, von der Paulus in diesen Versen spricht, ist nicht nur eine zukünftige Hoffnung, sondern eine gegenwärtige Realität. Wir haben die Erlösung bereits, sie gehört uns, wir leben in ihr. Das bedeutet nicht, dass alles schon vollendet ist oder dass wir keine Probleme mehr hätten, aber es bedeutet, dass wir befreit sind von der Macht der Sünde und des Todes. Wir sind nicht mehr Gefangene, sondern freie Kinder Gottes. Diese Freiheit sollte sich in unserem täglichen Leben zeigen. Wir sollten nicht mehr von Sünde beherrscht werden, auch wenn wir noch mit ihr kämpfen. Wir sollten nicht mehr von Angst getrieben werden, weil wir wissen, dass Gott für uns ist. Wir sollten nicht mehr von Schuld niedergedrückt werden, weil wir Vergebung empfangen haben.
Die Fülle der Zeiten, von der Paulus spricht, ist der Zeitpunkt, den Gott festgelegt hat, um seinen Plan zu vollenden. Wir wissen nicht genau, wann dieser Zeitpunkt kommen wird, aber wir wissen, dass er kommen wird. Jesus warnte seine Jünger davor, Spekulationen über den genauen Zeitpunkt anzustellen, aber er ermutigte sie, wachsam zu sein und bereit zu leben. In Matthäus 24,42–44 sagt er: “Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint.” Diese Bereitschaft ist nicht eine nervöse Angst vor dem Gericht, sondern eine freudige Erwartung der Vollendung unserer Erlösung.
Wenn wir diese Verse aus Epheser 1,7–10 zusammenfassen, sehen wir ein großartiges Panorama von Gottes Gnade und seinem ewigen Plan. Wir sind erlöst durch das Blut Christi, unsere Sünden sind vergeben nach dem Reichtum seiner Gnade, und wir sind einbezogen in einen kosmischen Plan, der die gesamte Schöpfung umfasst und in der Zusammenfassung aller Dinge unter der Herrschaft Christi gipfelt. Diese Wahrheiten sollten unser Leben prägen, unsere Perspektive formen und uns zu einem Leben in Dankbarkeit, Heiligkeit und Hoffnung führen. Mögen wir niemals vergessen, welch großes Heil uns geschenkt wurde, und mögen wir täglich in der Freude und Freiheit dieser Erlösung leben.
Bernhard Beck, der Lutheraner
