Ref­or­ma­tion im 21. Jahrhun­dert bedeutet, dass wir uns als Chris­ten und als Kirche immer wieder die Frage stellen müssen, ob wir wirk­lich vom Evan­geli­um her leben oder ob wir uns von anderen Ein­flüssen leit­en lassen. Es geht nicht darum, etwas Neues zu erfind­en oder den Glauben an den Zeit­geist anzu­passen, son­dern darum, zu den Wurzeln zurück­zukehren und das Wort Gottes wieder zum Maßstab unseres Denkens, Redens und Han­delns zu machen. Die Ref­or­ma­tion des 16. Jahrhun­derts war keine Rev­o­lu­tion um der Rev­o­lu­tion willen, son­dern eine Rückbesin­nung auf das, was die Bibel wirk­lich sagt. Mar­tin Luther und die anderen Refor­ma­toren haben nicht nach ihrer eige­nen Mei­n­ung gesucht, son­dern nach der Stimme Gottes in der Heili­gen Schrift. Genau das brauchen wir auch heute, vielle­icht sog­ar drin­gen­der als je zuvor, denn unsere Zeit ist geprägt von ein­er Vielfalt an Mei­n­un­gen, Überzeu­gun­gen und Weltan­schau­un­gen, die oft miteinan­der im Wider­stre­it ste­hen. In dieser Sit­u­a­tion braucht es Ori­en­tierung, und diese Ori­en­tierung kann nur aus dem Wort Gottes kom­men.

Der Blog Reformation21 verbindet bib­lis­che Weisheit mit der Prax­is des Glaubens im 21. Jahrhun­dert. Das bedeutet, dass wir nicht in der Ver­gan­gen­heit ste­hen bleiben, son­dern die Wahrheit der Bibel auf die Fra­gen und Her­aus­forderun­gen unser­er Zeit anwen­den. Die Bibel ist kein altes Buch, das nur für ver­gan­gene Zeit­en geschrieben wurde, son­dern das lebendi­ge Wort Gottes, das heute noch spricht. Der Hebräer­brief sagt es so: “Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schär­fer als jedes zweis­chnei­di­ge Schw­ert und dringt durch, bis es schei­det Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.” (Hebräer 4,12) Dieses Wort hat die Kraft, unser Leben zu verän­dern, unsere Herzen zu erneuern und uns den Weg zu weisen, den Gott für uns vorge­se­hen hat. Aber dazu müssen wir bere­it sein, uns diesem Wort auszuset­zen, es zu hören, zu ver­ste­hen und zu befol­gen. Das ist der Kern von Ref­or­ma­tion: nicht men­schliche Tra­di­tio­nen oder kirch­liche Gewohn­heit­en zum Maßstab zu machen, son­dern allein die Heilige Schrift.

Die Ref­or­ma­tion war und ist immer eine Bewe­gung zurück zum Evan­geli­um. Das Evan­geli­um ist die gute Nachricht von Jesus Chris­tus, der für unsere Sün­den gestor­ben und zu unser­er Recht­fer­ti­gung aufer­standen ist. Diese Botschaft ste­ht im Zen­trum des christlichen Glaubens, und alles andere muss sich daran messen lassen. Die Refor­ma­toren haben erkan­nt, dass im Laufe der Jahrhun­derte vieles in die Kirche einge­drun­gen war, was nicht mit dem Evan­geli­um übere­in­stimmte. Men­schliche Lehren, kirch­liche Vorschriften und fromme Prak­tiken hat­ten sich über das klare Wort Gottes gelegt und die Men­schen in die Irre geführt. Deshalb riefen die Refor­ma­toren dazu auf, alles zu prüfen und nur das festzuhal­ten, was wirk­lich bib­lisch begrün­det ist. Paulus schreibt im ersten Thes­sa­lonicher­brief: “Prüft aber alles und das Gute behal­tet.” (1. Thes­sa­lonich­er 5,21) Dieser Grund­satz gilt auch heute. Wir dür­fen nicht ein­fach alles übernehmen, was uns gelehrt wird, son­dern müssen prüfen, ob es mit der Bibel übere­in­stimmt. Das erfordert Mut, denn manch­mal müssen wir auch liebge­wonnene Überzeu­gun­gen hin­ter­fra­gen oder kor­rigieren. Aber nur so bleiben wir auf dem Weg der Wahrheit.

Ein zen­traler Punkt der Ref­or­ma­tion war die Erken­nt­nis, dass wir allein aus Gnade gerettet wer­den, allein durch den Glauben, allein um Christi willen. Diese drei Allein haben die Ref­or­ma­tion geprägt und sie sind auch heute noch von entschei­den­der Bedeu­tung. Allein aus Gnade bedeutet, dass wir nichts zu unser­er Ret­tung beitra­gen kön­nen. Wir kön­nen uns die Verge­bung unser­er Sün­den nicht ver­di­enen, nicht durch gute Werke, nicht durch religiöse Übun­gen, nicht durch moralis­che Anstren­gun­gen.

Paulus sagt im Eph­eser­brief: “Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.” (Eph­eser 2,8–9) Diese Wahrheit ist befreiend, denn sie nimmt uns die Last ab, uns selb­st ret­ten zu müssen. Gle­ichzeit­ig ist sie auch her­aus­fordernd, denn sie zwingt uns, unseren Stolz aufzugeben und uns ganz auf Gottes Gnade zu ver­lassen. Allein durch den Glauben bedeutet, dass wir die Ret­tung nicht durch äußere Hand­lun­gen emp­fan­gen, son­dern indem wir Jesus Chris­tus ver­trauen. Der Glaube ist das Mit­tel, durch das wir Gottes Gnade ergreifen, und dieser Glaube ist selb­st ein Geschenk Gottes. Allein um Christi willen bedeutet, dass es nur einen Weg zur Ret­tung gibt, näm­lich durch Jesus Chris­tus. Er hat am Kreuz für unsere Sün­den bezahlt, und nur durch ihn haben wir Zugang zu Gott. Jesus selb­st sagt: “Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; nie­mand kommt zum Vater denn durch mich.” (Johannes 14,6) Diese Aus­sage ist klar und unmissver­ständlich, und sie ist auch heute noch gültig.

Ref­or­ma­tion im 21. Jahrhun­dert bedeutet auch, dass wir uns fra­gen müssen, wie wir als Kirche leben und arbeit­en. Die Kirche ist nicht ein men­schlich­er Vere­in, der nach eige­nen Regeln funk­tion­iert, son­dern die Gemein­schaft der Gläu­bi­gen, die Chris­tus als ihrem Her­rn fol­gen. Die Kirche hat den Auf­trag, das Evan­geli­um zu verkündi­gen, die Sakra­mente zu ver­wal­ten und die Gläu­bi­gen zu lehren und zu ermuti­gen. Aber sie kann diesen Auf­trag nur erfüllen, wenn sie selb­st vom Evan­geli­um geprägt ist. Zu oft haben Kirchen und Gemein­den sich von weltlichen Ein­flüssen leit­en lassen, haben nach Erfolg und Anerken­nung gestrebt oder sich den Erwartun­gen der Gesellschaft angepasst. Aber die Kirche ist nicht dazu berufen, pop­ulär zu sein oder allen zu gefall­en, son­dern treu zu sein. Jesus sagt zu seinen Jüngern: “Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, wom­it soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüt­tet und lässt es von den Leuten zertreten.” (Matthäus 5,13) Die Kirche ver­liert ihre Bedeu­tung, wenn sie ihre Iden­tität aufgibt und sich nicht mehr vom Evan­geli­um leit­en lässt. Deshalb braucht es immer wieder Ref­or­ma­tion, eine Erneuerung, die von innen kommt und die dazu führt, dass die Kirche wieder das tut, wozu sie berufen ist.

Mar­tin Luther hat ein­mal gesagt: “Die Kirche muss immer reformiert wer­den.” Dieser Satz bringt zum Aus­druck, dass Ref­or­ma­tion kein ein­ma­liges Ereig­nis ist, son­dern ein fort­laufend­er Prozess. Wir dür­fen nicht denken, dass die Ref­or­ma­tion im 16. Jahrhun­dert alles gek­lärt hat und dass wir seit­dem nichts mehr ändern müssen. Im Gegen­teil, jede Gen­er­a­tion von Chris­ten ste­ht vor der Auf­gabe, das Evan­geli­um neu zu hören, zu ver­ste­hen und zu leben. Dabei geht es nicht darum, die Wahrheit zu verän­dern, denn die Wahrheit Gottes ist unverän­der­lich. Aber es geht darum, diese Wahrheit immer wieder neu zu ent­deck­en und sie auf die jew­eilige Zeit und Sit­u­a­tion anzuwen­den. Das erfordert Demut, denn wir müssen bere­it sein, uns kor­rigieren zu lassen, wenn wir vom Weg abgekom­men sind. Es erfordert auch Mut, denn manch­mal müssen wir gegen den Strom schwim­men und Dinge sagen oder tun, die nicht pop­ulär sind. Aber es ist der einzige Weg, wenn wir treu bleiben wollen.

Ein wichtiger Aspekt von Ref­or­ma­tion ist auch die per­sön­liche Erneuerung. Es reicht nicht aus, dass die Kirche als Insti­tu­tion reformiert wird, wenn nicht auch jed­er einzelne Christ bere­it ist, sich vom Evan­geli­um erneuern zu lassen. Paulus schreibt im Römer­brief: “Und stellt euch nicht dieser Welt gle­ich, son­dern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen kön­nt, was Gottes Wille ist, näm­lich das Gute und Wohlge­fäl­lige und Vol­lkommene.” (Römer 12,2) Diese Erneuerung des Denkens geschieht, wenn wir uns inten­siv mit dem Wort Gottes beschäfti­gen, wenn wir beten und wenn wir uns von Gottes Geist leit­en lassen. Sie zeigt sich in unserem All­t­ag, in unseren Entschei­dun­gen, in unseren Beziehun­gen und in der Art und Weise, wie wir unseren Glauben leben. Ref­or­ma­tion bedeutet also nicht nur eine Verän­derung der äußeren Struk­turen, son­dern eine Verän­derung des Herzens. Nur wenn unser Herz von Gott erneuert wird, kön­nen wir wirk­lich nach seinem Willen leben.

Der Blog Reformation21 möchte dazu beitra­gen, dass diese Erneuerung geschieht. Durch Beiträge über Bibelausle­gung, durch Gedanken zur Kirche und zum Gemein­deleben, durch Ermu­ti­gung und durch klare Ori­en­tierung am Wort Gottes. Es geht nicht darum, per­fekt zu sein oder alle Antworten zu haben, son­dern darum, gemein­sam auf dem Weg zu sein und voneinan­der zu ler­nen. Es geht darum, Chris­tus in den Mit­telpunkt zu stellen und alles andere von ihm her zu ver­ste­hen. Es geht darum, eine Kirche zu sein und zu fördern, die sich vom Evan­geli­um erneuern lässt. Das ist mein Anliegen, und dazu lade ich Sie ein.

Bern­hard Beck, der Luther­an­er